Kann sich die Riester-Rente lohnen oder ist sie ein bürokratisches Geldgrab?

Kann sich die Riester-Rente lohnen oder ist sie ein bürokratisches Geldgrab?

Die gesetzliche Rente reicht nicht mehr

Vor knapp 20 Jahren ist dem deutschen Staat aufgefallen, dass das Rentenniveau für normale Angestellte – also solche, die nicht als verbeamtete Staatsdiener arbeiten – keine allzu großen Sprünge im Alter mehr zulässt. Daher wurde seinerzeit ein bürokratisches Ungetüm geschaffen, welches immer mal wieder angepasst worden ist – die sogenannte Riester-Rente. Ob die geschaffenen Zulagen und Vorteile ausreichen, um die Nachteile überzukompensieren wird in diesem Beitrag diskutiert.

 

Grundlagen

Die Riester-Rente ist eine private Form der Altersvorsorge, die die gesetzliche Rente ergänzen soll. Um die private Vorsorge der Bundesbürger zu unterstützen zahlt der Staat Zulagen und gewährt Steuervorteile. Jeder Riester-Sparer erhält eine jährliche Grundzulage von 175 Euro, sofern die Mindestsparsumme in Höhe von 4% des letztjährigen Bruttoeinkommens – maximal jedoch 2100 Euro – erreicht wird. Für ab 2008 geborene Kinder gibt es dazu eine Zulage von 300 Euro pro Kind im Jahr. Für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, beträgt die Zulage 185 Euro p.a.  Bis zu 2.100 Euro im Jahr können steuerlich zum Sonderausgabenabzug genutzt werden – darauf werden die Zulagen jedoch angerechnet. Auszahlungen aus der Riester-Rente im Alter müssen andererseits versteuert werden. Hier wird jedoch immer argumentiert, dass die Steuersätze im Alter im Allgemeinen geringer sind. In Anbetracht der stetig steigenden Steuer- und Abgabenbelastung mag das jedoch auch ein Wunschtraum sein.

 

Vorteile und Nachteile

Neben der bereits genannten Förderung (Zulage, Steuerersparnis) bietet die Riester-Rente die Vorteile einer lebenslangen Rente, einen Schutz vor Pfändung und Insolvenz sowie eine Beitragsgarantie. Nachteile sind die Inflexibilität, die begrenzte Vererbbarkeit, die bei manchen Varianten extrem hohen Gebühren, die bereits genannte Steuerpflicht im Rentenalter und die Intransparenz. Problematisch ist auch, dass nach Beispielrechnungen ziemlich bis sehr hohe Lebensalter erreicht werden müssen, um das angesparte Kapital als Rente ausgezahlt zu bekommen. Im Falle einer Kündigung müssen sämtliche erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. Bei einigen Varianten fallen noch weitere Kosten bei Kündigung an.

 

Formen der Riester-Rente

Es gibt fünf Formen der Riester-Rente: Klassische Riester-Rente in Form einer Versicherung, Fondsgebundene Riester-Rente, Riester-Fondssparplan, Riester-Banksparplan und Wohn-Riester. Aus meiner Sicht können hier direkt mehrere Varianten gestrichen werden. Die klassische Riester-Versicherung verursacht sehr hohe Kosten und verspricht aufgrund der Niedrigzinsen keine hinreichende Rendite. Etwas bessere Renditen mag die fondsgebundene Riester-Rente versprechen, jedoch sind auch hier die Kosten sehr hoch. Der Riester-Banksparplan kann auch raus fallen, da er trotz guter Kostenquote aufgrund der Niedrigzinsen nur unzureichende Renditen verspricht.

Wohn-Riester kann sich in einigen Fällen rechnen, wenn man ohnehin eine Immobilie erwerben möchte – was als Konsum- und nicht als Investmententscheidung zu werten ist. Dies sollte jedoch sehr genau durchgerechnet werden. Im weiteren Verlauf dieses Beitrags werden wir uns auf den Riester-Fondssparplan, die potenziell renditestärkste Variante, konzentrieren. Bei dieser Variante ist es jedoch auch sehr wichtig, einen passenden Anbieter auszuwählen. Aus meiner Sicht gibt es zumindest zwei einigermaßen attraktive Angebote am Markt. Dies ist einerseits die DWS TopRente Dynamik (bitte über einen Vermittler kaufen, mit dem man 100% Rabatt auf die Ausgabeaufschläge erhält) und fairr.de Fairriester 2.0. Diese beiden Varianten bieten einigermaßen attraktive Renditen, überschaubare Kosten und Verrentungsfaktoren.

 

Unter welchen Voraussetzungen kann die Riester-Rente lohnend sein?

Es ist offensichtlich, dass man mit einem Riester-Produkt die Renditen, die mit vernünftigen ETF-Portfolios möglich sind, nicht erzielen wird. Aus meiner Sicht ist der Risikolevel aber auch ein anderer und die Riester-Rente bietet andere Vorteile. Dadurch, dass zumindest die Beiträge plus Zulagen garantiert werden, ist das Risiko deutlich geringer als bei einem reinen Aktien-ETF-Sparplan. Außerdem muss man die Riester-Rente als Absicherung gegen das Langlebigkeitsrisiko sehen; vielleicht wird man ja doch über 90 Jahre alt und dann kann sich die Riester-Rente auch lohnen. Und auch die Vorteile bzgl. Unpfändbarkeit können in bestimmten Situationen einen Vorteil bieten.

Rein rechnerisch kann sich die Riester-Rente am ehesten für Geringverdiener mit vielen Kindern (geringe Eigenbeiträge im Verhältnis zu den Zulagen) und für Gutverdiener (hohe Steuervorteile) lohnen. Das größte Problem der Riester-Rente tritt jedoch im Moment der Verrentung ein, denn hier kommt es zu der extrem ungünstigen Umrechnung des angesparten Kapitals in die lebenslange Rente. Wenn man bereit ist auf den Versicherungsvorteil gegen das Langlebigkeitsrisiko zu verzichten, so gibt es zwei Optionen diese ungünstige Umrechnung zu vermeiden.

Einerseits kann der Vertrag tatsächlich gekündigt werden. Dann müssen die Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden, aber die Rendite auf diese darf man behalten. Dies kann lohnender sein als eine ungünstige Verrentung und ist kurz vor Erreichen der Auszahlungsphase zu berechnen. Die zweite Option ist die Umnutzung für Wohn-Riester. Wenn man ohnehin die Konsum- und Lifestyleentscheidung zugunsten einer selbstgenutzten Eigentumsimmobilie getroffen hat, dann kann das Geld auf Antrag zur Finanzierung der Immobilie genutzt werden (Achtung: Auf jeden Fall die Bedingungen beachten). Die Nutzung zur Finanzierung muss dabei nicht bereits bei der ersten Immobilienfinanzierung, sondern auch bei jeder späteren Umfinanzierung genutzt werden.

Ich weise darauf insbesondere deshalb hin, weil das für die Immobilienfinanzierung genutzte Kapital mit 2% p.a. bis zur Rente hochgerechnet wird und dann versteuert werden muss, um die Immobilienfinanzierer nicht besser zu stellen. Die aus meiner Sicht daher beste Variante ist eine Nutzung zur Finanzierung möglichst kurz vor der Rente.

 

Fazit

Wie man sieht kann sich die Riester-Rente unter sehr engen Voraussetzungen lohnen. Wenn man das Produkt als Versicherung gegen das Langlebigkeitsrisiko und als Niedrigrisikoprodukt begreift und darüber hinaus entweder Geringverdiener mit Kindern oder Gutverdiener ist kann sich ein guter Riesterfondssparplan lohnen. Möchte man nicht das Langlebigkeitsrisiko absichern und hat sich ohnehin für eine selbstgenutzte Immobilie entschieden, dann kann die Nutzung der Riester-Rente möglichst kurz vor der Rente eine sinnvolle Option sein. In nahezu allen anderen Optionen muss sehr gut nachgerechnet werden, ob sich diese Altersvorsorgevariante lohnen kann – in den meisten Fällen dürfte die Antwort negativ ausfallen.

 


Hinweis: Der Erwerb von behandelten Vermögensanlagen wie P2P-Kredite, Aktien, Fonds und sonstigen Anlageprodukten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen. Die Texte, Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung dar.  Die Informationen dienen lediglich der Bildung und privaten Unterhaltung. Jeder Besucher dieser Webseite handelt eigenverantwortlich.

1 Gedanke zu “Kann sich die Riester-Rente lohnen oder ist sie ein bürokratisches Geldgrab?”

Schreibe einen Kommentar