Warum verdienen große Männer mehr?

Warum verdienen große Männer mehr?

Vorstandsvorsitzende und Präsidenten sind meist größer als der Durchschnitt

Neun von zehn Vorstandsvorsitzenden der Fortune Global 500 (die 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt) und neun von zehn Präsidenten der Vereinigten Staaten sind bzw. waren überdurchschnittlich groß. Zahlreiche Studien bestätigen, dass große Menschen mehr verdienen, beruflich erfolgreicher sind und bessere Aufstiegschancen haben als kleine – oder besser: Große Männer verdienen mehr als kleine, denn bei Frauen ist der Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gehalt nicht ganz so eindeutig (weniger ausgeprägt oder insignifikant). In einigen Studien wird auch angedeutet, dass Übergewicht mit einem geringeren Gehalt korreliert ist. Dieser Zusammenhang ist jedoch bei Frauen deutlicher ausgeprägt. Nach Kortt/Leigh (2010) verdient ein 1,83 Meter großer Australier knapp 1.000 Dollar mehr als ein durchschnittlich großer australischer Mann (1,78 Meter). Heineck (2005) hat herausgefunden, dass ein Zentimeter mehr Körpergröße mit 0,6% mehr Bruttomonatsgehalt bei westdeutschen Männern einhergeht. 10 Zentimeter mehr Körpergröße bedeuteten demnach etwa 2.000 Euro mehr Bruttolohn im Jahr. Der Zusammenhang lässt sich auch anders herum feststellen. Ein promovierter Mann ist nach Berechnungen von Spanhel (2009) über 4 cm größer als ein Angelernter.

 

Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gehalt

Prof. Hübler weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gehalt nicht linear ist. So nimmt der Gehaltsvorteil bei Männern, die deutlich größer (ab 1,91 Meter) sind als der Durchschnitt, wieder ab. Er begründet dies mit der Bevorzugung von Menschen, die einem selbst ähnlich sind. Kleine Männer hingegen müssten mehr kämpfen und Ausdauer zeigen als größere. Sie müssen aggressiver und machtbewusster auftreten und eine größere Selbstsicherheit zur Schau stellen, um sich durchzusetzen. Frauen profitieren vielleicht sogar, wenn sie etwas kleiner sind als der Durchschnitt. So spricht Prof. Hübler 160 Zentimeter messenden Frauen die besten Erfolgschancen zu.

 

Was ist der tatsächliche Grund für die Gehaltsunterschiede?

Aber ist der Zusammenhang tatsächlich so einfach? Salopp gefragt: Müsste man sich als Mann Blockabsätze unter die Schuhe kleben und würde dadurch sofort mehr verdienen? Die bisher genannten Studien und Aussagen beziehen sich zwar auf eine Korrelation zwischen Körpergröße und Gehalt, die Kausalität bleibt aber noch ungeklärt. Die psychologische Forschung findet Hinweise auf die unbewusste Wahrnehmung der Körpergröße durch Dritte. So wird ein großer Mann oft mit Stärke, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen assoziiert. Ein an die Steinzeit gemahnendes Denkmuster. Auf solche Assoziationen weisen auch Judge/Cable (2004) hin, Führungsqualitäten und besserer Schutz wurden größeren Menschen zugeschrieben. Es wäre also möglich, dass kleinere Männer aufgrund ihrer Körpergröße diskriminiert werden, weil sie anders wahrgenommen werden. Wenn sich andere Menschen jedoch auf eine bestimmte Weise großen Männern gegenüber verhalten, so kann dies dazu führen, dass sich bei diesen tatsächlich die gewünschten Persönlichkeitsmerkmale ausbilden. So weist auch Guido Heineck darauf hin, dass somit tatsächliche Produktivitätsunterschiede und nicht Diskriminierung der Grund für die Gehaltsunterschiede sein könnten.

 

Während der Jugend angeeignete Fähigkeiten und Kontakte haben großen Einfluss

Amerikanische und britische Wissenschaftler weisen auf die Relevanz der Größe während der Pubertät hin. Diese habe eine wesentlich größere Bedeutung für den beruflichen Erfolg als die Größe bei Berufseintritt. Größere Jugendliche treten sozial anders auf, beteiligen sich stärker an außerschulischen Aktivitäten und erwerben so größere soziale Kompetenzen. Ein früher Wachstumsschub hängt Forschern zufolge – ebenso wie kognitive Fähigkeiten – nicht nur von den Genen ab, sondern auch vom Lebensstandard. Persico/Postlewaite/Silverman (2001) folgern: Gleich große erwachsene Männer, die als Jugendliche unterschiedlich groß waren, werden unterschiedlich behandelt. Der Mann, der als Jugendlicher größer war, verdient tendenziell mehr. Das stärkere Engagement der Größeren führt zu einer vermehrten Aneignung von nutzbringenden Fähigkeiten und einem größeren Selbstbewusstsein. Wahrscheinlich spielen auch die gewonnenen Kontakte eine Rolle. Ein geringeres Selbstbewusstsein führt zu einer niedrigeren Autorität und macht es schwieriger, Kollegen und Vorgesetzte von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen.

Dies ist ein schönes Beispiel für eine Scheinkorrelation. Körpergröße und Gehalt sind miteinander korreliert, es besteht aber nur indirekt ein kausaler Zusammenhang. Sowohl die Körpergröße als auch die kognitiven Fähigkeiten sind von den Genen und dem Lebensstandard abhängig, also von einer dritten Variablen. Die besseren kognitiven und sozialen Fähigkeiten führen zu dem höheren Gehalt. Ein direkter Zusammenhang bestünde somit nicht zwischen Körpergröße und Gehalt.

 

Die Gesundheit im Kleinkindalter weist eine Korrelation mit dem späteren Gehalt auf

In ihrer Studie weisen Case/Paxson (2006) darauf hin, dass größere Menschen erfolgreicher sind, weil sie auch intelligenter seien. So erbringen größere Dreijährige bereits bessere Leistungen in Intelligenztests als kleinere. Größere Erwachsene suchen Berufe, die von ihnen bessere verbale und mathematische Fähigkeiten und eine höhere Intelligenz verlangen. Dadurch verdienen sie dann auch mehr, da in diesen Berufen mehr gezahlt wird. Besonders betonen die Autorinnen die Relevanz der Ernährung in den frühen Lebensjahren, um das volle genetische Potenzial abrufen zu können. Die Gesundheit im Kleinkindalter korreliert somit direkt mit dem späteren Gehalt.

Die Größe hängt nicht nur von den Genen, der pränatalen und postnatalen Ernährung, sondern auch vom sozioökonomischen Status der Eltern ab. Gute Lebensumstände führen zu häufigeren und stärkeren Wachstumsschüben und einer besseren Gesundheit. Mit guter Ernährung und Lebensumständen wird demzufolge auch eine bessere Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten verbunden. Wer eine bessere Frühentwicklung aufweist erreicht ceteris paribus eher sein Größenpotenzial und ist wahrscheinlich intelligenter, so Case/Paxson (2006). Wohlstand und Körpergröße scheinen generell erheblich zusammenzuhängen. So waren die Westdeutschen 1989 um zwei Zentimeter größer als die Bürger der DDR. Nur zehn Jahre später ließ sich bei Rekruten des Jahrgangs 1980 kein Größenunterschied mehr feststellen. Geringere Gehälter Übergewichtiger werden durch die Assoziation von Übergewicht mit Faulheit und geringerer Selbstdisziplin erklärt. Es wäre jedoch denkbar, dass auch Übergewicht im Erwachsenenalter mit der Frühentwicklung zusammenhängt.

 

Es gibt vier Erklärungsansätze für das höhere Gehalt größerer Männer

Es ergeben sich somit vier verschiedene Erklärungsversuche für den Gehaltsaufschlag größerer Männer:

  1. Soziale Diskriminierung, da größeren Menschen bestimmte Fähigkeiten zugeschrieben werden.
  2. Größere Männer entwickeln erwünschte Fähigkeiten, da andere diese von ihnen erwarten.
  3. Die Großen erwerben schon als Jugendliche soziale und kognitive Kompetenzen, da sie stärker an außerschulischen Aktivitäten teilnehmen.
  4. Größere Männer sind aufgrund anderer Gene und besserer äußerer Umstände am Anfang ihres Lebens intelligenter.

 

Fazit

Wer kleiner ist als der Durchschnitt sollte sich jedoch nicht gleich entmutigen lassen. Denn wer kleiner ist aber sein genetisches Potenzial besser ausgeschöpft hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit dennoch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als jemand der größer ist, aber sein Potenzial weniger ausgeschöpft hat. Und auch Personalchefs sollten sich nicht zu sehr von der Größe potenzieller Mitarbeiter beeinflussen lassen, letztlich sind erworbene Qualifikationen der bessere Indikator für die zu erwartende Arbeitsleistung.

 

Verwendete Quellen:

Case/Paxson (2008): Stature and Status: Height, Ability, and Labor Market Outcomes, in: Journal of Political Economy, H. 3, 116. Jg., S. 499-532.

Heineck (2005): Up in the skies? The relationship between height and earnings in Germany, in: LABOUR: Review of Labour Economics and Industrial Relations, H. 3, 19. Jg., S. 469-489.

Judge/Cable (2004): The Effect of Physical Height on Workplace Success and Income: Preliminary Test of a Theoretical Model, in: Journal of Applied Psychology, H. 3, 89. Jg., S. 428-441.

Kortt/Leigh (2010): Does Size Matter in Australia?, in: Economic Record, H. 1, 86. Jg., S. 71-83.

Persico/Postlewaite/Silverman (2004): The Effect of Adolescent Experience on Labor Market Outcomes: The Case of Height, in: Journal of Political Economy, H. 5, 112. Jg., S. 1019-1053.

Spanhel (2009): Der Einfluss der Körpergröße auf Lohnhöhe und Berufswahl: Aktueller Forschungsstand und neue Ergebnisse auf Basis des Mikrozensus.

1 Gedanke zu “Warum verdienen große Männer mehr?”

Schreibe einen Kommentar